Ein Unternehmen zu gründen, ist harte Arbeit. Vom Aufbau einer Website über die Einstellung von Mitarbeiter:innen bis hin zur Bestandsverwaltung und der Produktion: Es kann sich anfühlen, als wäre deine To-do-Liste schier endlos.
Was, wenn du die Produktion deiner Produkte einfach an Lieferant:innen auslagern könntest, die bereits darauf spezialisiert sind? Genau das tun viele Einzelhändler:innen. Das Geschäftsmodell nennt sich Private Label. Dabei stellen Drittanbieter:innen die Produkte nach den Vorgaben der Händler:innen her. Diese verkaufen und vermarkten sie dann unter ihrer eigenen Marke. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie das Geschäftsmodell funktioniert und für wen es geeignet ist.
Was ist ein Private Label?
Unter Private Label versteht man Produkte, die von einem Unternehmen hergestellt und unter dem Markennamen eines anderen Unternehmens verkauft werden. Einzelhändler:innen nutzen Private Label häufig, um exklusive Artikel anzubieten, ihre Kataloge zu erweitern und die Preise der Wettbewerber:innen zu unterbieten.
Wie funktioniert ein Private Label?
Das Private-Label-Geschäftsmodell umfasst zwei Arten von Unternehmen:
- Private-Label-Hersteller:innen, die mit Unternehmen zusammenarbeiten, um ein Produkt zu entwerfen und zu produzieren.
- Private-Label-Einzelhändler:innen, die Private-Label-Produkte branden, vermarkten und an Kund:innen verkaufen.
Zuverlässige Private-Label-Hersteller:innen helfen, ein profitables Preismodell sicherzustellen.
Private Label vs. White Label
Private-Label-Waren werden oft mit White-Label-Waren verwechselt. Beim White-Labeling arbeiten Einzelhändler:innen ebenfalls mit Drittanbieter:innen, die ein Produkt für sie herstellen. Allerdings werden White-Label-Produkte nicht speziell für einzelne Verkäufer:innen entworfen.
White-Label-Hersteller:innen produzieren große Mengen generischer Produkte und verkaufen sie dann an verschiedene Einzelhändler:innen. Die Einzelhändler:innen wiederum verkaufen diese Produkte unter einem Markennamen an Verbraucher:innen.
Mit anderen Worten: Private-Label-Produktlinien sind einzigartig und werden ausschließlich über einzelne Einzelhändler:innen verkauft. White-Label-Produkte sind generisch und werden unter den Marken mehrerer Einzelhändler:innen verkauft.
Vorteile von Private Labeling
Das Private-Label-Geschäftsmodell bietet sowohl Hersteller:innen als auch Einzelhändler:innen Vorteile. Zu diesen Vorteilen gehören höhere Gewinnmargen und Kontrolle über die Markenführung sowie:
1. Ein einzigartiges Wertversprechen
Mit der Nutzung von einem Private Label hast du die Möglichkeit, deine eigenen, einzigartigen Produkte zu entwerfen und zu verkaufen, die sich von etablierten Marken, Handelsmarken oder anderen Private-Label-Marken unterscheiden. Als Private-Label-Unternehmer:in kannst du originelle Produktideen entwickeln und für ein charakteristisches Produkt bekannt werden.
Einige (oft größere) Einzelhändler:innen nutzen Private Label, um wertvolle Produktlinien zu schaffen und die Preise der Wettbewerber:innen zu unterbieten. Kleinere Unternehmen hingegen könnten sich für Private Label entscheiden, um Premium-Produkte zu entwickeln, die sie alleine nicht herstellen können.
2. Hohe Gewinnmargen
Private-Label-Produkte haben oft höhere Gewinnmargen als Wiederverkaufsprodukte. Einzelhändler:innen können sich entscheiden, einen hohen Preis für ihre einzigartigen Private-Label-Produkte festzulegen, oder ihre bestehende Markenstärke zu nutzen, um die Marketingkosten für Private-Label-Produktlinien zu senken.
Je nach Art und Menge der produzierten Artikel sowie dem Grad der Anpassung sind Hersteller:innen in der Lage, Private-Label-Produkte günstiger anzubieten als Wiederverkaufsprodukte.
3. Individuelle Preiskontrolle
Private-Label-Verkäufer:innen und -Produzent:innen können die Herstellungskosten und Preisniveaus ihrer Produktlinien anpassen. Sie können mit verschiedenen Preisstrategien experimentieren, um die Gewinnmargen zu maximieren.
4. Individuelle Marketingkontrolle
Als Private-Label-Einzelhändler:in kannst du die Marketingkampagnen gezielt auswählen, die du zur Vermarktung deiner Produkte verwendest. Du musst dich nicht an die Kampagnen nationaler Marken halten.
5. Anpassungsfähigkeit
Es kann Monate oder Jahre dauern, bis eine etablierte Marke ihre Produktformel, Preisgestaltung oder Marketingstrategie ändert. Private-Label-Verkäufer:innen hingegen können schnell handeln. Sie können auf negative Bewertungen oder niedrige Verkaufszahlen reagieren und sich anpassen, um das beste Produkt zum besten Preis zu schaffen.
Nachteile von Private Label
Trotz der unbestreitbaren Vorteile hat das Private Label auch seine Nachteile. Nutzt du diese Variante, kann es beispielsweise zu Abweichungen innerhalb einer Produktlinie kommen. Auch gibst du ein gewisses Maß an Flexibilität für Innovationen auf – und stehst dennoch vor der Herausforderung, eine Marke ganz neu aufbauen zu müssen.
Abhängigkeit von Drittanbieter:innen
Einer der größten Nachteile des Private Label ist die Abhängigkeit von Drittanbieter:innen. Gibt es Probleme auf Seiten der Hersteller:innen, wie etwa Produktionsverzögerungen oder Qualitätsprobleme, wirkt sich dies direkt auf die Verkäufer:innen aus. So riskierst du zum Beispiel Lagerengpässe, abnehmende Kundenzufriedenheit und potenzielle Schäden am Ruf deiner Marke.
Weniger Flexibilität für Innovationen
Wenn du mit Private-Label-Dienstleistungen arbeitest, gibt es Grenzen für den Grad der Produktanpassung. Je nach Lieferant:innen und Produktkategorien haben Einzelhändler:innen nicht immer so viel Kontrolle über das Produktdesign, wie sie vielleicht möchten.
Allerdings kannst du Probleme mit dem Produktdesign minimieren, indem du eng mit deinen Hersteller:innen zusammenarbeitest. So eröffnest du dir die Möglichkeit für maßgeschneiderte Forschung und Entwicklung.
Für wen eignet sich Private Labeling?
Private Labeling ist vor allem für Einsteiger:innen mit geringem Startkapital geeignet, da du die Produkte nicht selbst herstellen musst. Zudem kannst du trotzdem deine eigene Markenidentität aufbauen und einen Kundenstamm für dich gewinnen.
Aber auch für E-Commerce-Unternehmen ist Private Labeling eine geeignete Geschäftsmethode, da die Konkurrenz immer größer wird. Es lohnt sich also, in Private-Label-Produkte zu investieren, die du unter deiner Marke und deinem individuellen Branding vermarkten und verkaufen kannst. So hebst du dich von der Masse ab und kannst auf dem Markt bestehen.
Im Gesundheits- & Wellness-Sektor kann Private Labeling auch vielseitig eingesetzt werden. So können Fitnessstudios, Apotheken oder auch Beauty-Salons Produkte wie Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel und andere Gesundheitsprodukte mit ihrem eigenen Label vertreiben. Bei solchen Produkten ist es selbstverständlich besonders wichtig, dass man auf besondere Regelungen für diese Art von Produkt achtet und diese befolgt. Du solltest die Anbieter:innen und Produkte also besonders unter die Lupe nehmen, bevor du sie mit deinem Branding anbietest.
Im Allgemeinen eignet sich Private-Labeling, wenn du eine eigene Marke aufbauen möchtest, ohne dich um Produktion und Logistik kümmern zu müssen.
6 Beispiele für Private-Label-Produkte
Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele Verbraucherprodukte und nationale Marken von Private-Label-Hersteller:innen produziert werden. Tatsächlich existiert das Private-Label-Modell in den meisten Produktkategorien, sowohl in Online- als auch in stationären Geschäften.
Typische Private-Label-Produkte
1. Kaffee
Private-Label-Kaffee erlebt im Internet seit einigen Jahren einen echten Boom. Viele dieser Marken nutzen Kaffee-Dropshipping. Dabei versenden die Hersteller:innen die Chargen direkt an die Kund:innen, sobald eine Bestellung eingeht.
2. Tiernahrung
Viele Tierhandlungen verkaufen Private-Label-Tiernahrungen, die von großen Hersteller:innen produziert werden, die viele Kund:innen bedienen. Dies ist besonders häufig bei Online-Tierhandlungen der Fall.
3. LED-Lampen
Online-Marktplätze sind voll von Private-Label-LED-Lampen, die jeweils ein leicht unterschiedliches Design aufweisen, aber von einigen wenigen Hersteller:innen bezogen werden.
4. Handyzubehör
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Drittanbieter-Zubehörteile, die du für dein Handy kaufst – Ladegeräte, Handyhüllen usw. – von Private-Label-Hersteller:innen produziert und unter dem Markennamen eines anderen Unternehmens verkauft werden.
5. Bekleidung
Viele Online-Bekleidungshändler:innen nutzen Private-Label-Bekleidungsgroßhändler:innen für Hemden, Kleider, Röcke, Schuhe, Handtaschen und mehr. Diese Großhändler:innen können teils sogar maßgeschneiderte Designs auf Bekleidung drucken und bieten möglicherweise auch individuelle Schneiderei und Lederverarbeitung an.
6. Hygieneprodukte
Viele Hygieneprodukte, von Mundwasser bis zu Make-up, stammen von Hersteller:innen, die Private-Label-Verkäufer:innen bedienen. Die Formeln dieser Produkte werden für spezifische Kund:innen angepasst, aber sie werden über dieselben Produktionslinien hergestellt.
3 Beispiele für Private-Label-Marken
Hier sind drei Beispiele für große Einzelhändler:innen, die erfolgreiche Private-Label-Marken eingeführt haben.
1. Ja!
Jeder kennt die Eigenmarken der großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler:innen – ob Aldi (Milbona/Milsana), Edeka (Gut & Günstig), Lidl oder Rewe (Ja!). Diese Eigenmarken werden oftmals zu vergleichbarer Qualität von denselben Markenhersteller:innen produziert, die teurere Markenprodukte anbieten.
Rewe hat mit Ja! ein Produktsortiment geschaffen, das mit der Marke des Einzelhändlers gleichgesetzt wird und sofort ins Gedächtnis springt, wenn man an die Marke Rewe denkt.
Rewe kann mit der Eigenmarke Trends und saisonale Konsumveränderungen schneller bedienen, die Preise aufgrund einer effizienten Logistik und nicht benötigter Werbemaßnahmen niedrig halten und dennoch eine vergleichbare Qualität in Bezug auf teure Markenprodukte liefern.
2. Amazon Basics
Amazon Basics wurde 2009 eingeführt und ermöglicht es Amazon, im eigenen Marktplatz mit anderen Einzelhändler:innen um Verkäufe zu konkurrieren.
Die Private-Label-Linie unter ihrem eigenen Markennamen bietet Elektronik, Haushaltswaren, Tierbedarf und andere erschwingliche Artikel – oft zu den niedrigsten Preisen in einer Produktkategorie.
Einige der beliebtesten Amazon-Basics-Produkte sind Ladekabel für Geräte. Diese Kabel werden für ihre Erschwinglichkeit im Vergleich zu offiziellen Hersteller:innen wie Apple gelobt, die hohe Gewinnmargen für ihre Zubehörteile erzielen.
Ein weiteres bekanntes Private-Label-Produkt von Amazon Basics ist ein Mikrofaser-Bettwäsche-Set, das von Kund:innen über 421.331 Mal bewertet wurde.
3. Harrods Eigenmarke
Im Gegensatz zu Amazon Basics und Kirkland Signature, die Private Label nutzen, um die Verbraucherpreise zu senken, verwendet das Luxus-Kaufhaus Harrods seine Private-Label-Marke, um eine Reihe von Premium-Produkten anzubieten.
Die Eigenmarke von Harrods umfasst eine Vielzahl von Produkten, darunter Feinkost und Getränke sowie hochwertige Mode, Accessoires und Haushaltswaren.
Das Unternehmen bezieht seine Auswahl an Tees aus der ganzen Welt, verpackt sie in charakteristischen Harrods-Dosen und verkauft sie zu höheren Preisen als ähnliche Produkte anderer Einzelhändler:innen.
Fazit
Private Labeling bietet dir die Möglichkeit, eine eigene Marke aufzubauen, ohne selbst in Produktion und Logistik einsteigen zu müssen. Das Modell kombiniert klare Vorteile wie höhere Gewinnmargen, Kontrolle über Preisgestaltung und Marketing sowie eine hohe Anpassungsfähigkeit mit überschaubaren Risiken, die sich vor allem aus der Abhängigkeit von Drittanbieter:innen ergeben. Entscheidend ist daher die sorgfältige Auswahl zuverlässiger Hersteller:innen und eine enge Zusammenarbeit, um Qualität und Konsistenz sicherzustellen.
Ob für Einsteiger:innen mit begrenztem Startkapital oder für etablierte E-Commerce-Unternehmen auf der Suche nach Differenzierung: Private Labeling ist ein flexibler Ansatz, um einzigartige Produkte zu entwickeln und sich im Wettbewerb zu behaupten. Mit einer klaren Markenstrategie, realistischen Erwartungen und einem guten Verständnis der eigenen Zielgruppe kann Private Labeling zu einem stabilen und nachhaltigen Wachstum beitragen.
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